Fender Quintana
Zuerst der Artikel aus dem Fachblatt:
Auch ich war mal in der Quinta. Schüler der
Quinta wurden daher Quintaner genannt - oder werfe ich da jetzt was
durcheinander'? Klar, ich erinnere mich! Ich war mal in Spanien im Urlaub. Da
kam abends immer so ein Typ ins Fischrestaurant und sang zur Gitarre: "Quintana mera ... OOhhhh!" Alles Quatsch.
Tatsache ist allerdings, daß Fender jetzt im guten
alten Spanien Klassikgitarren herstellen läßt. Warum?
Das ist leicht zu beantworten - schließlich kommen die Dinger da her und wenn
ich mich diesmal recht erinnere, haben die Spanier schon einmal Amerika
erobert. Oder waren das die Portugiesen?
|
|
|
Auf dem Gebiet Akustikgitarre hat Fender in
letzter Zeit ganz schön zugelegt. Was aber noch fehlte, waren klassische Nylonakustiks. Fender, schon immer für Authentizität
bekannt, läßt jetzt solche Instrumente gleich in
einem bedeutenden Ursprungsland herstellen - nämlich in Spanien
. Was wäre ein echter Flamenco ohne spanische
Akustikgitarre? Also ist es auch kaum verwunderlich, daß
auf dem Firmenprospekt dieser Modellreihe eine rassige Flamencotänzerin zu
sehen ist. Folklore wird ja in letzter Zeit wieder sehr beliebt und so kommt
Fender pünktlich zur Messe mit der Quintana-Serie auf
den europäischen Markt. Bei unserem Testrnodell
handelt es sich um das Modell 110 E. Das Topmodell dieser Serie, das mit einem
eingebauten Fishmansystem ausgestattet ist.
Klassischer Aufbau
Logisch, daß die Quintana einen ganz und gar klassischen Aufbau hat. Korpus
und Zargen sind aus Sapelli gefertigt, das
vergleichbar mit unserem Mahagoni ist. Entweder ist das Holz etwas dunkler
gebeizt, oder diese Holzart ist grundsätzlich von dunkler Erscheinung. Der
Korpus ist jedenfalls beinahe schwarz und sieht ziemlich ansprechend aus. Die
Decke ist laminiert, das heißt gesperrt und besteht aus Oregonpinie. Nanu? Oregon
liegt doch in den Staaten. Wie dem auch sei, die oberste Schicht ist wunderbar
strukturiert und verleiht m Instrument eine gutaussehende
Oberfläche. Die Entscheidung, für die Quintana Decke
Sperrholz zu verwenden, geht wohl auf Sparmaßnahmen zurück.
Im Vergleich zu anderen Klassikgitarren, ist
das Schalloch etwas kleiner ausgefallen. Das sorgt klanglich für weniger Bässe,
was bei einer Elektroakustik aber wirklich sinnvoll erscheint. Schließlich sind
es Schwingungen in den Bässen, die leider oft für zu frühe Rückkopplungen
verantwortlich sind. Das Schalloch ziert eine Rosette mit süd- oder rnittelamerikanischen Mosaikmotiven - sehr schön!
|
Die Lackierung ist tadellos ausgeführt, besonders die Rückseite der Gitarre ist dank der guten Politur so hochglänzend, daß man sich darauf wie in einem Spiegel betrachten kann. jeder, der die Gitarre während der Testphase zu Gesicht bekam, wollte mir nicht glauben, daß dies ein Instrument für nur knapp 700,- DM ist. |
|
Mehr brauche ich über den optischen
Verarbeitungseindruck wohl nicht zu sagen.
Tadelloser Hals
Die tadellose Verarbeitung der Quintana gilt auch für den Hals. Dieser ist tatsächlich aus
einem Stück Mahagoni gefertigt und hat eine sehr griffige Form. Nicht einmal
die Kopfplatte ist separat angeleimt. Das Griffbrett besteht aus Sipo (??), einer Mahagonisorte gehobener Oualität (Anmerkung hierzu: Im Winter 1997 hatte ich die
Gitarre bei Thomas Stratmann, er hat mir am 3., 5., 7. und 9. Bund Sidedots gesetzt. Beim Bohren kam helle Masse aus dem
Griffbrettmaterial heraus. Der dunkle Eindruck kommt von einer Lackierung des
Griffbrettes.). Rein optisch hätte ich auf Ebenholz getippt, da das Holz hart
und glatt erscheint. (Ist bei einer Lackierung ja auch kein Wunder.) Es ist
kaum eine Pore auszumachen. Die 19 Bünde sind sehr sauber eingesetzt und
abgerichtet. Außerdem sind sie werksmäßig so gut poliert, daß
beim Greifen nichts stört oder Kratzgeräusche zu hören wären.
|
|
Ganz im klassischen Stil befinden sich an der Kopfplatte sechs offene, vergoldete Beinwellenmechaniken, die ihren Dienst perfekt erfüllen. |
Der Sattel besteht aus Kunststoff -
Sparmaßnahme Nummer zwei. Wenn's stört, kann dieses Teil natürlich ohne großen
Aufwand ausgetauscht werden.
Elektronik
Was die Quintana in
Sachen Elektronik zu bieten hat, ist wirklich erstaunlich. Das eingebaute Fishrnansystern gehört zur Upperclass der Piezo-Palette und
ist eigentlich nur in Instrumenten zu finden, die ein Vielfaches teurer sind
als unser Testmodell.
|
Der Piezo-Pickup ist in den aufgeleimten Steg integriert. Das Elektronikfach im oberen Zargen bietet Volume, Tremble, Mid, Baß und einen "Contour"-Regler, auf den wir später noch eingehen werden. Der Wirkungsgrad der Klangregelung reicht von o bis 12 db Absenkung beziehungsweise Anhebung. Wirklich praktisch ist der kleine On/Off-Schalter, mit dem man das Pickup-System nach Belieben stummschalten kann. Stellung On wird durch eine rote Leuchtdiode angezeigt. Vorbildlich ist auch die Unterbringung der 9-Volt-Batterie im Elektonikfach: Durch einen Klippverschluß ist der Powerblock problemlos auszutauschen. |
|
Tolle Ansprache
Die erste Überraschung liefert die Quintana beim unverstärkten Anspielen. Trotz der gesperrten
Decke ist die Ansprache der Gitarre einfach toll. jede Saite schwingt
differenziert und klar, die Lautstärke ist beachtlich. Insgesamt ist der Sound
nicht ganz so warm und rund, wie ich das von edleren und vor allem eingespielten
Gitarren her kenne. Auch unsere Quintana dürfte aber
wohl im Laufe der Jahre noch einiges an Klangfülle dazugewinnen.
Im verstärkten Betrieb über ein P.A.-System macht
sich gleich die Qualität des Fishman-Pickups bezahlt.
Der Sound ist absolut natürlich und glasklar. Für meinen Geschmack sind die
Höhen ein klein wenig überbetont. Was soll’s. Wozu hat man eine Klangregelung.
Die arbeitet nämlich sehr fein und differenziert. Der "Contour"-Regler
wirkt äußerst feinfühlig.
Klangbild natürlich
Dank der stabilen Decke und es verkleinerten
Schallochs, kann man die Quintana recht laut spielen,
bevor sich Rückkopplungen einstellen. Insgesamt entspricht der Sound ziemlich
exakt dem natürlichen Klangbild der Gitarre.
Was will man mehr. Ein kleiner Wermutstropfen
ist das laute Knacken beim An- und Ausschalten der Elektronik. Vielleicht ist
das aber in der Zukunft noch zu beheben. Etwas Probleme bereitet auch das
Spielen der Gitarre in der klassischen Haltung, sprich mit gespreizten Beinen,
da hier die Klinkenbuchse am unteren Gurthalteknopf im Wege ist. An der unteren
Krümmung der Zarge wäre die Buchse wohl besser untergebracht.
|
|
Gesamtübersicht Modell Fender
Klassik Quintana 11o E Hersteller Fender/Made
in Spain Korpus Sapelly (Boden + Zarge), Oregonpinie (Decke) Hals: Mahagoni
(einteilig) Mechaniken: Beinwellen
vergoldet Gewicht- ca.
1,5 kg Mensur . 650
mm Bünde-. 19 Besonderheiten- Fishman Tonabnehmer |
Gesamturteil
Ich kann nur sagen: Hochinteressant! Die Quintana 110 F ist nahezu perfekt verarbeitet und steht auf
der Bühne dank des überzeugenden Fishman Pickup-Systems voll und ganz ihren Mann. Sie ist eine
solide Livegitarre und eine gelungene Alternative zur
"Meistergitarre", die für Toureinsätze oft zu schade ist. Der
eigentliche Clou liegt natürlich im sehr guten Preis-Leistungsverhältnis.
Gekauft im Jahr 1996 bei Sound-Check in
Nienburg Keine Seriennummer.
Zum Impressum Zur Homepage E-Mail