National Duolian

Die Duolian ist ein recht ursprüngliche Gitarre. Sie stammt von No.1 aus Hamburg. Kaufdatum war der 5.4.94. Ewey hatte hier nach Aufgabe seines Ladens Vorführinstrumente verkauft. Im Gegenzug hatte er die National für einen Vorzugspreis abgenommen.

Folgender Artikel erschien in der Zeitschrift "Solo":

 

Metal History

John Dopera, der 1908 zusammen mit seinen neun (!) Geschwistern im Alter von 1 5 Jahren von der Tschechoslowakei ins gelobte Land aufbrach und bei Los Angeles Fuß faßte, gründete 1925 zusammen mit George Beauchamp die Firma 'National'. National widmete sich ganz dem Bau 'verstärkter' Instrumente, in dem sie in den jeweiligen Body eine Art Lautsprechersystem integrierte, das die Schwingungen und Resonanzen des Instrumentes über eine Metallmembran und einen Hornkessel verstärkte. Doch schon nach drei Jahren trennten sich die Wege der Jungunternehmer, die, tief verstrickt in Streitigkeiten um Patente, Geld und Geschäftspraktiken, sich einen weiteren gemeinsamen Weg nicht mehr vorstellen konnten. Dopera gründete die Firma Dobro und - so schließt sich der Kreis - beschäftigte u.a. McGregor Gaines und Dorl Young, die heutigen Chefs der Firma National!

Duolian History

Das National Duolian-Modell erschien 1930 zum ersten Mal auf dem Markt. Im Gegensatz zu den Tri-Plates-Modellen, die drei Resonatoren hatten und die es bereits seit 1925 gab, war die Duolian mit einem einzigen großen Kegel-Resonator ausgerüstet. Unsere Testkandidatin ist der damals erschienen Ur-Version der Duolian nicht nur nachempfunden, sondern bis aufs Haar nachgebaut - und wenn ich sie mir so angucken ist ihr durchaus zuzutrauen, daß sie die Wirren mehrerer Kriege, Gründerjahre und was sonst noch dazugehört, auf ihrem Buckel locker ertragen könnte.

Metal Konstruktion

Der Body der Duolian ist aus Aluminium hergestellt, der äußerst kräftige Mahagony-Hals setzt bereits am 12. Bund an, das Griffbrett mit den restlichen sieben Bünden verläuft über dem Korpus und wird von zwei stilisierten F-Löchern flankiert. Nein, diese National Duolian ist nicht schön silbern wie die durch Ablichtung auf dem Dire Straits 'Brothers In Arms’-Album millionenmal in die Wohnzimmer dieser Welt projizierte National Style 0, sondern ein lackiertes bzw. galvanisiertes Modell.

Nein, es ist auch kein Grünspan, diese von Unwissenden gerne als 'nato-oliv' bezeichnete Farbkreation. Kenner wissen sie zu schätzen, weil sie der Originalfarbe der Ur-Version von 1930 exakt entspricht. Im Prospekt sprach die Firma National 1930 von einem ".attraktive two-tone frosted duco" und bezeichnet damit recht wohlwollend die vom Grauen ins Grünliche tönende Farbgebung, die übrigens in etwa dem schmucken Förster-Dunkelgrün meines VW-Mobils entspricht. Lediglich der Metall-Saitenhalter glänzt gewohnt Dobro-silbrig...

Übrigens: Eine National Duolian kostete im Jahr 1930 ganze $32,50 - heute muß der zukünftige Besitzer immerhin mehr als das Hundertfache in Deutsch-Mark hinblättern - so ändern sich die Zeiten und Sitten!

Der Hals besitzt eine im klassischen Stil durchbrochene Kopfplatte, an deren Seiten jeweils drei traditionell offene, von Schaller gefertigte Mechaniken ihren exzellenten Dienst verrichten. Wie oben schon angedeutet, hat der Hals ein unglaublich dickes Profil und stellt dadurch ein richtig massiges Teil dar, das einiger Gewöhnung in der Anfangszeit bedarf. Dieses Halsmaß ist ebenfalls den Dreißiger Jahren entliehen, als in gleicher Anzahl Duolians gebaut wurden sowohl für Gitarristen als auch für Steel-Gitarristen, die rechteckige 'Kanthölzer' als Hals für die auf den Knien liegend gespielten Instrumente bevorzugten. Bei 'unserer' Duolian wurden die Ecken jedoch rund geschliffen, so daß der Hals besser in der Hand lag.

Die Saitenlage läßt sich leider nicht so einfach wie bei E.-Gitarren einstellen. So ist zwar der Hals mit einem Metallstab verstärkt, dieser ist aber nicht zugänglich und damit auch nicht verstellbar. Hier muß die runde Abdeckplatte über dem Resonator abgeschraubt und eine Schraube, die sich unter einer runden Holzplatte befindet, eingestellt werden.

Dies ist umständlich und nur von einem Geübten zu erledigen, aber die Saitenlage wird bei diesem Instrument ja auch nicht alle Tage eingestellt.

Heavy Metal

Pläng, oder: Wie funktioniert eine Resonator-Gitarre? Ganz einfach: Über einem in das Instrument eingelassenen Metall-Kegel wird eine dünne Alu-Membran in Schwingung versetzt. Dies geschieht direkt durch den Druck der Saiten, die über den Holzsteg und eine kleine runde Auflagefläche aus Holz, die die Alu-Membran mit dem Steg verbindet (siehe Skizze!), geführt werden. Der Metall-Kegel wirkt wie ein Horn in einer Beschallungsanlage, er verstärkt den Schalldruck, das Instrument wird lauter. Es gab und gibt parallel zu den Voll-Metall-Modellenl auch Instrumente mit Holzkorpus und Metallresonatoren, die optisch als auch klanglich eine Mischform beider Bauweisen darstellen. Was viele vielleicht nicht wissen: Es wurden nicht nur Gitarren auf diese Art und Weise 'verstärkt', sondern auch eine Reihe anderer Instrumente, unter ihnen sind z.B. Mandolinen, Geigen, Akustikbässe, Kontrabässe (!!!, was der wohl gewogen hat?, der Verf.) und Lapsteel-Gitarren. Wer eine National auf der Bühne einsetzen und die lästige Mikrofonabnahme vermeiden will, kann auf die Reso-Lectric zurückgreifen, eine flache Resonator-Gitarre, die mit einem Lipstick-Pickup bestückt ist.

Metal Sound

Diese Gitarre ist nicht nur s..schwer, sie ist auch s..laut! Aber das ist schließlich Sinn der Sache, sprach man doch in den Anfangstagen dieser resonierenden Gitarre von Modellen mit eingebautem 'Verstärker'. Ihr Sound entspricht exakt meinen ersten Erwartungen, als ich sie aus dem Koffer hievte. Ich muß ehrlich gestehen, daß ich keine großen Vergleichswerte zur Verfügung habe, um Klang und Lautstärke der Duolian mit ähnlichen Instrumenten vergleichen zu können - immerhin sind diese Dinger in unserem Land zu selten, als daß man sie jederzeit vergleichend antesten könnte. Aber das Instrument hat auch so einen faszinierenden Klang - perkussiv, brillant, satt - Einzeltöne klingen lange nach und - mit ein bißchen Fingervibrato - kippen sie schnell in ihre Obertöne um. Toll! Auf 'open D' gestimmt (andere bevorzugen eher open G) floß Dobro-typische Musik sogar aus meinen Fingern. Klang inspiriert, und der authentische Klang der National Duolian verlieh des Testers Fingern ungeahnte musikalische Höhenflüge da verwandelte sich doch glatt die brave Hase, die ein paar Meter von meiner Haustür entfernt durch die Felder fließt, vor lauter Blues in den wilden Mississippi....

Metal Fazit

Dieser Test hat Spaß gemacht! So schwer wie sie ist, so faszinierend ist sie - und wenn der saftige Preis nicht wäre, hätte ich sicherlich... Ok, die Farbe ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber sie ist ein konsequenter Tribut an die originale Wiederauflage des Modells der Dreißiger Jahre. Die National Duolian ist eben keine Resonator-Gitarre zum Angeben, sondern ein Instrument mit inneren Werten und einem tollen Klang - ihr zukünftiger Besitzer beweist viel Geschmack, Stil und Kompetenz.

Die Gitarre die Seriennummer 024 - Date of Mfg 2/93. Die Besaitung ist ein Martin One set M150 medium gauge - 013 017 026 035 045 056.

Die Duolian hat leichte Beschädigungen am Headstock (seitlich und hinten), da ganz weiches Holz verarbeitet worden ist.

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